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Der Fischlehrpfad wurde 1993 durch Mitglieder des Vereins und durch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bad Füssing und dem Fischereiverband Niederbayern erbaut.

Es sind auch Führungen möglich. Flyer werden bei der Kurverwaltung Bad Füssing angeboten. Oder Sie können den Flyer auch hier downloaden.

Die Sorge um die Natur und der Einsatz für die natürlichen Lebensbedingungen hat in den letzten Jahren in unserer Gesellschaft einen neuen Stellenwert bekommen. Medien und Verbände haben die Bedrohungen der Flora und Fauna eindrucksvoll dargestellt und dadurch immer mehr Menschen für die Problematik des Natur- und Artenschutzes sensibilisiert. Leider hat diese Entwicklung dort halt gemacht, wo das Leben unter Wasser beginnt. Dies mag damit zusammenhängen, da man die Lebewesen unter Wasser nicht sehen und nicht hören kann. Vögel, Pflanzen und Wildtiere kann man sehen, und der Gesang der Vögel ist für viele Menschen das erste Naturerlebnis im Jahreslauf.

Dabei sind die Arten unter Wasser oft gefährdeter als alle anderen. Gerade ihr Lebensraum war es, der durch große Umbauten in den letzten 50 Jahren erheblich verändert worden ist. Heute sind beinahe 60 % der im Donaueinzugsgebiet vorkommenden 72 Fischarten bedroht oder vom Aussterben bedroht. Ganz zu schweigen von den Pflanzen und Kleinlebewesen, die für die Vielfalt unter Wasser gleichfalls wichtig sind. Für alle dieser Arten sind große Anstrengungen erforderlich, um sie unserer Nachwelt zu erhalten. Die Bereitschaft in der Bevölkerung, aber vor allem die unserer Gäste, sich für die Natur zu interessieren, wollen wir nutzen, und mit diesem Lehrpfad eine Möglichkeit zu geben, das vielfältige Leben unter Wasser kennen zu lernen.

Der Lehrpfad, der 1993 eingerichtet wurde, teilt sich in zwei Abschnitte. Von Egglfing bis Würding sind die forellenartigen Fische dargestellt, von Würding bis Gögging die karpfenartigen. Der Lehrpfad führt durch ein Gebiet das noch vor 50 Jahren fischereilich von erheblicher Bedeutung war. Teilweise wurde die Fischerei sogar im Nebenerwerb ausgeübt. Durch den Bau der Stauanlagen in Egglfing und Neuhaus 1945 bzw. 1960 wurde dieser Fluß erheblich verändert. Aus einem ehemals gewaltigen Gebirgsfluß wurde eine Stauseenlandschaft, die nachfolgend für die bisher dort vorkommenden Arten kaum noch Lebensraum war. Deshalb hat sich die Wasserfauna grundlegend verändert.

Aus dem ehemals ausschließlichen Salmonidengewässer wurde ein Gewässer, daß sich auf den ersten Blick als ideales Cypriniden-Gewässer darstellt. Weil die Wassertemperatur aber nach wie vor sehr niedrig ist, fühlen sich auch karpfenartige Fische in diesen künstlich hergestellten Seen nur beschränkt wohl. Der Lehrpfad beginnt in Gögging mit den nah verwandten Fischen Brachse und Güster. Beide sind nur dadurch voneinander zu unterscheiden, daß bei der Brachse die Brustflossen bis zum Ansatz der Bauchflossen reichen, bei der Güster ein Stück vor der Bauchflosse enden. Durch den bereits erwähnten Umbau des Inns zu einem träge fließenden Staugewässer ist die Brachse der Leitfisch dieser Innregion geworden. Wegen der niedrigen Wassertemperatur und der starken Trübung des Gewässers infolge der enormen Geschiebefracht ist das Futterangebot so gering, daß die Brachse und die Güster nur sehr schlecht abwachsen. Dies führt dazu, daß beide Fischarten zur sog. "Verbuttung" neigen. Man versteht dabei einen Zustand, der dann auftritt, wenn das Vorkommen einer Fischart zahlreicher ist, als die entsprechende Nahrungsgrundlage. Kleinwuchs ist die Folge und nur durch einen verstärkten Eingriff der Fischerei kann hier eine Regulation erfolgen. Die Fischer sprechen daher zu Recht bei der Innbrachse von einem Fisch, dessen Rücken manchmal so scharf ist, wie ein Messer.

Auf der nächsten Tafel sehen wir Rotauge und Rotfeder. Beides sind Kleinfische die in Schwärmen leben und noch vor Jahren in Massen vorgekommen sind. Die Überdüngung der Gewässer und die damit einhergehende Verschlammung haben dazu geführt, daß heute der Lebensraum des Rotauges und der Rotfeder stark eingeschränkt ist. Im hiesigen Raum sind Rotaugen und Rotfeder nur durch entsprechende Besatzmaßnahmen der Fischerei in ihrem Bestand zu erhalten gewesen. Früher als lästiger Beifang abgewertet, sind beide heute ein willkommener Speisefisch, der zwar grätenreich ist, aber durch entsprechende Zubereitungsmethoden an Stellenwert gewonnen hat.

Auf der nächsten Tafel sehen wir den Schuppenkarpfen. Der Schuppenkarpfen ist die Urform des heute bekannten Spiegel- oder Lederkarpfens. Ein Fisch, der aus seiner ursprünglich langgestreckten Form zu den hochrückigen, bekannten Aischgründerkarpfen gezüchtet worden ist. Diese Zuchtversuche reichen bis ins Mittelalter zurück und wurden vor allem in Mittelfranken und der Oberpfalz sehr erfolgreich durchgeführt. Ziel war die Zucht eines Karpfens, der bei hoher Fleischausbeute eine geringe Zahl an Gräten aufwies. Vor einigen Jahren hat man sich auf die Ursprungsform des Karpfens zurückbesonnen und ist in letzter Zeit darauf zurückgekommen, in den natürlichen Gewässern nicht mehr den Spiegelkarpfen sondern den ursprünglichen Wildkarpfen wieder einzusetzen. Im Inn wächst der Wildkarpfen gut ab, kann sich wegen der kalten Temperaturen aber nicht vermehren.

Auf der nächsten Tafel sehen wir den Hecht. Ein Raubfisch, der auch als Wasserpolizei bezeichnet wird, weil als Erstes kranke oder verletze Fische, die Opfer seiner Raubgier werden. Der Hecht ist ein Fisch, der sich am unteren Inn ohne Besatzmaßnahmen auf natürliche Weise in hervorragendem Bestand fortpflanzt und entwickelt. 1978 wurde im Inn, in der Nähe von Bürnau, ein Hechtweibchen von 34 Pfund und einer Länge von 132 cm gefangen.
Der Fisch wurde präpariert und wenn man Glück hat, kann man ihn beim Fischerfest am 2. Juliwochenende in Würding bestaunen.

Auf der nächsten Tafel sehen wir die Schmerle und den Schlammpeitzger. Zum Schlammpeitzger ist zu sagen, daß er in der Region auch "Wetterfisch" genannt wurde. Dieser Fisch war in unseren Altwasserbereichen sehr stark verbreitet. Sein Lebensraum ist der schlammige Grund stehender Gewässer, in Buchten der Flüsse und in Teichen. Diese kleinen Strukturen wurden mit dem Umbau des Flusses zum Stausee völlig zerstört und damit auch der Lebensraum des Wetterfisches sehr stark beeinträchtigt. Er ist der Überlebenskünstler unter den Fischen, denn, wenn Mangel an Sauerstoff herrscht, schluckt er Luft und nimmt aus dieser, durch die Darmschleimhaut, Sauerstoff auf. Ein wirtschaftlich völlig unbedeutender, aber ein, von seinem Aussehen her, sehr lustiger Fisch, weil er 10 Bartfäden hat, die ihm ein sehr putziges Aussehen verleihen. Die Schmerle oder auch Grundel genannt, gleichfalls ein kleiner, 10 bis 18 cm langer Fisch mit drehrundem, dunkel marmoriertem Körper und sechs Bartfäden. Sein Lebensraum ist der Grund strömender Gewässer. Gewöhnlich verbirgt er sich unter Steinen und Wurzeln. Bei uns lebt er in kleinen Bächen, durch erhöhtem Nährstoffeintrag ist auch sein Umfeld stark bedroht. Diffuse Einträge von Nährstoffen und Sedimenten, auch in Kleingewässer führt dazu, daß es kaum noch wasserdurchströmte Kiesschichten gibt, in denen sich der Laich dieses Fisches entwickeln kann.
Der nächste Fisch ist der Aal. Aale sind Weltenbummler. Sie laichen im atlantischen Ozean im Bereich der Saragasso-Seen zwischen den Bermuda- und den Bahama-Inseln. Weidenblattgroß und völlig durchsichtig erreichen sie mit dem warmen Golfstrom auch die Küsten unseres Landes. Dort werden sie mit engmaschigen Netzen gefangen und mit gut organisierten Transporten bis nach Niederbayern gebracht. Aus eigener Kraft könnten die Aale nicht mehr bis zu unseren Gewässern aufsteigen, da die vielen Kraftwerksbauten in den Flüssen einen Aufstieg verhindern würden. Der Aal ist wirtschaftlich ein sehr bedeutender Fisch. Er stellt wenig Ansprüche an seinen Lebensraum und wächst auch in unseren veränderten Gewässern noch hervorragend ab. Leider hat man nun in Frankreich die kleinen Glasaale als Spezialität entdeckt und greift verstärkt auf diese Jungfische zu. Dies führt dazu, daß in letzter Zeit bereits Schwierigkeiten der Aalversandstelle in Hamburg bestanden haben, diesen Fisch in ausreichender Menge als Besatz zu liefern. Die Aale erreichen bei uns durchschnittlich eine Länge von 80 cm bis 1 m . Sie werden hauptsächlich geräuchert.

Der nächste Fisch ist die Barbe. Sie lebt am Grund stark strömender Gewässer. Diesen Fisch haben wir ausgewählt, weil er sich noch vor 20 Jahren im Inn hervorragend entwickelte und in einem außerordentlich hohen Bestand vorhanden war. Inzwischen ist auch die Barbe nur noch vereinzelt vertreten, weil ihre Laichräume, stark strömende Einläufe von Seitenarmen in den Inn bzw. durchströmte Kiesflächen im Inn verschwunden sind. Die Barbe ist zwar ein grätenreicher Weißfisch, wird aber von den Angelfischern sehr hoch geschätzt.

Der nächste Fisch ist der Nerfling oder Aland. Er gehört gleichfalls zu den karpfenartigen Fischen, hat ein äußerst grätenreiches, aber sehr schmackhaftes, leicht ins gelbliche gefärbte Fleisch. Sein Lebensraum sind langsam fließende oder stehende Gewässer, in denen er sich meist knapp unter der Oberfläche aufhält. Ein richtiger Platsch verrät Ihnen, wenn er nach einer Fliege, die sich auf der Wasseroberfläche befindet, schnappt. Auch im Inn kommt der Nerfling heute noch vor und wird vereinzelt, vor allem in den Frühjahrsmonaten gefangen. Besser bekannt ist eine Zuchtform des Nerflings, nämlich die Goldorfe, die weitläufig als Goldfisch bekannt und in Aquarien und kleinen Teichen gehalten wird.

Der nächste Fisch ist der Aitel oder der Döbel. Ein karpfenartiger Fisch mit drehrundem, torpedoartigem Körper und sehr breitspaltigem Maul, der zwar zur Familie der Friedfische gehört, aber ab einem bestimmten Alter räuberisch lebt. Seine Ansprüche an das Gewässer sind relativ bescheiden. Er kommt als Bewohner von Bächen und kleinen Flüssen auch mit der Überdüngung der Gewässer relativ gut zurecht. Er ist in unserer Region ein Fisch, der sich ausschließlich natürlich fortpflanzt und zur Bestandserhaltung keiner Besatzmaßnahme bedarf. Sein Fleisch ist wässrig und grätenreich. Deshalb ist der Aitel als Speisefisch wenig geschützt.

Auf dem nächsten Bild finden wir den Gründling. Ein kleiner Fisch mit langgestrecktem, spindelförmigen Körper mit ziemlich großen Schuppen und bräunlichen Flecken auf dem Rücken. Der Gründling wohnt am Grund aller Gewässertypen. Er hat angelfischereilich überhaupt keine Bedeutung, ist aber ein wertvoller Futterfisch für alle Raubfische.

Das gleiche gilt für die Laube. Ein silbrig-glänzender, an der Wasseroberfläche lebender Kleinfisch, der im Inn noch vor Jahren in Massen vorgekommen ist. Eben weil er hauptsächlich an der Wasseroberfläche lebt, ist er eine leichte Beute der fischfressenden Wasservögel. Da deren Freßdruck in den letzten Jahren sehr stark geworden ist, hat sie ihre Funktion als wichtiger Futterfisch weitgehend verloren.

Auf dem nächsten Bild sehen wir die Äsche. Die Äsche gehört zu der Familie der forellenartigen Fische. Sie ist eine elegante Schwimmerin. Bei den männlichen Exemplaren ist die Rückenflosse so stark ausgebildet, daß sie als Fahne bezeichnet wird. Es ist eine Augenweide, sie im klaren Wasser zu beobachten, wenn sie mit geschmeidigen Schwimmbewegungen auf und ab steigt und stets Ausschau nach mittreibenden Insekten hält. Sie wird auch die "Thymianduftende" genannt, weil Ihr Fleisch tatsächlich nach Thymian riecht. Da sie auf klares Wasser angewiesen ist, kommt sie im Inn nur noch in einzelnen Exemplaren vor.

Die nächsten beiden Fische, die Bach- und Regenbogenforelle, sind die wohl bekanntesten Fischarten. Dabei ist die Bachforelle unsere einheimische Forelle und die Regenbogenforelle eine Forellenart, die um die Jahrhundertwende aus Nordamerika zu uns gekommen ist. Die Bachforelle wird auch die Rotgetupfte genannt, weil sie an ihren Flanken schwarz eingerahmte, rote Tupfen besitzt. Die Bachforelle hat an den Flanken einen breiten, rosa gefärbten Streifen. Von den Fischereivereinen wird ausschließlich die Bachforelle gesetzt, weil sie standorttreu ist und die natürlichen Futtervorkommen am Besten nutzt. Die Regenbogenforelle wird hauptsächlich in Forellenmastbetrieben gehalten, weil sie durch entsprechende Zucht zu einem verhältnismäßig anspruchslosen Fisch geworden ist, der sich ohne große Probleme mästen läßt. Die Regenbogenforelle kann man auf dem Markt auch als sog. Lachsforelle erwerben, sie hat jedoch mit einem Lachs nur ihre Verwandtschaft gleich. Das für den Lachs typische rote Fleisch kommt bei der Forelle davon, daß sie in dem Gewässer, in dem sie aufgewachsen ist, die Möglichkeit hatte, viele Bachflohkrebse zu fressen.

Auf der nächsten Tafel sehen wir den größten der forellenartigen Fische - den Huchen. Der Huchen kam früher im Inn sehr zahlreich vor und wurde mit dem sog. Hucheneisen gefangen. Der Huchen wird als König der Innfische bezeichnet, weil er früher der dominanteste Fisch in unserem Innbereich war. Durch die Veränderung des Lebensraums, insbesondere durch den Bau der Staustufen, ist der Huchen heute vom Aussterben bedroht und ein kleiner Bestand ist nur durch nachhaltige Besatzmaßnahmen zu sichern. In Würding gibt es alte Fotos, auf denen Huchenfänge von bis zu 25 kg zu sehen sind. Der Fisch wurde früher bei Hochzeiten als Hauptmahlzeit gereicht, daher auch der Name Hochzeitsfisch.

Auf der letzten Tafel ist schließlich die Nase abgebildet. Die Nase war früher der Brotfisch der Innfischerei. Heute gibt es die Nase nur noch vereinzelt im Inn, weil die Lebensbedingungen für diesen Fisch, der früher in so großen Massen aufgetreten ist, daß in der Laichzeit die Seitenbäche kilometerlang mit Nasen übersäht waren, schlechter geworden sind. Die Nase benötigt zur Fortpflanzung kiesige Stellen im Flußbereich oder in den Seitenarmen. Diese kiesigen Stellen sind aufgrund der Überdüngung der Seitengewässer heute mit Algen übersäht. Durch diese Algenbildung verpilzen die dort abgelegten Eier der Nase und gehen zu Grunde. Es ist wohl die größte Aufgabe der Fischerei und der gesamten Gesellschaft, die Umweltbedingungen wieder soweit zu verbessern, daß man eine natürliche Fortpflanzung und einen natürlichen Aufwuchs dieser Schwarmfische auch in Zukunft ermöglicht. Wenn man so will, ist die Nase Indikator dafür, wo wir mit unserem Bemühen, eine intakte Umwelt zu erhalten oder wieder zu schaffen, gerade sind.